Wer entdeckt ihn? Erfassung von Rotmilanen im Landkreis

Der tief gegabelte Schwanz und das rostrote Gefieder mit weißen Akzenten sind charakteristisch für den Rotmilan.

Der Rotmilan ist die durch Windkraft am meisten gefährdete Vogelart, immer wieder kollidieren die Vögel mit den Rotorblättern der Windräder. Aber auch andere Ursachen tragen zu ihrem Tod bei: Die Nester der Rotmilane werden von Fressfeinden geplündert, die Vögel fallen dem Straßenverkehr zum Opfer, werden gejagt oder vergiftet.

Um einen Überblick über die Population der Rotmilane im Landkreis Hildesheim zu bekommen, ruft der Ornithologische Verein Hildesheim (OVH) auch in diesem Jahr wieder dazu auf, Rotmilan-Beobachtungen zu melden, denn nur auf der Grundlage gesicherter Daten können Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden.

Im letzten Jahr gab es 1836 Meldungen. In den Jahren davor waren es mal mehr, mal weniger, je nachdem, ob es sich ein um gutes oder ein schlechtes „Mäusejahr“ handelte, denn der Umfang der Rotmilan-Population ist jeweils abhängig vom Nahrungsangebot.

Aus den erfassten Rotmilan-Daten werden die Reviere für den gesamten Landkreis geschätzt. Es gibt zwischen 60 und 90 Reviere. Die besten Habitate sind in den Wäldern des Innerste-Leine-Berglands. Die Rotmilane bauen Ihre Nester im Bereich der Waldränder, meist innerhalb einer 50-Meter-Zone vom Waldrand entfernt. Ihre Nahrungsreviere sind die umliegenden Felder. In der Hildesheimer Börde brüten sie auch in Baumreihen entlang der Gewässer.

Ab Mitte April sind alle Reviere besetzt und die Horste gebaut. Die meisten Paare legen Ihre Eier zwischen Ende März und Anfang Mai. Meist sind es zwei bis drei, manchmal aber auch vier Eier. Die Jungen schlüpfen nach fünf bis sechs Wochen, die Nestlingsdauer liegt zwischen 45 und 50 Tagen, bei schlechten Nahrungsbedingungen kann es 60 bis 70 Tage dauern. Die Gelege werden von beiden Partnern bebrütet, dabei trägt das Weibchen den größeren Anteil. Ab Mitte Mai bis Ende Juni werden die Jungvögel flügge. Bei Nachgelegen kann der Ausflug im August stattfinden.

In Jahren mit gutem Nahrungsangebot finden 60 bis 70 % aller Flüge in einer Entfernung von 500 bis 1500 m vom Horst statt. In Jahren mit schlechtem Nahrungsangebot nimmt die Entfernung vom Horst zu. Bringen die Altvogel nicht genug Futter, müssen die Jungvögel verhungern. Die Flugaktivität von Paaren mit aufwachsenden Jungvögeln nimmt im Laufe der Nestlingszeit stetig zu. Es werden dann 150 Gramm Nahrung pro Jungvogel und Tag benötigt. Hinzu kommt der Nahrungsbedarf der Altvögel. Beide Altvögel sind ständig unterwegs. In den letzten zwei Wochen bevor sie flügge werden, gehen deshalb viele Jungvögel durch Nesträuber wie Habicht, Uhu oder Waschbären verloren.

Auch von nicht brütenden Milanen werden Reviere oder revierartige Flächen besetzt. Hier bleibt die Zahl der Flüge für die Nahrungssuche relativ gleichmäßig. Hinzu kommen herumwandernde Rotmilane, die keine Reviere oder aber ihre Brut verloren haben. Diese Vögel bleiben nur kurzzeitig in einem Bereich, sie wandern hunderte Kilometer, bevor sie endgültig wieder in ihre Winterreviere in Frankreich oder auf der iberischen Halbinsel abfliegen.

Die Bestimmung der Rotmilane ist verhältnismäßig leicht. Durch ihren langen gegabelten Schwanz unterscheiden sie sich deutlich von anderen Greifvögeln; im Volksmund heißen sie auch „Gabelweihen“. Der Rotmilan ist ein recht bunter Vogel mit schwarz-weiß-rotem Gefieder. Die Oberseiten der Flügel sind bei Sonneneinstrahlung hell und wirken mitunter goldgefärbt. Eine Verwechslung ist allenfalls mit dem Schwarzmilan möglich. Der Schwarzmilan, von dem es auch einige Paare im Landkreis Hildesheim gibt, ist etwas kleiner, sein Schwanz kürzer und nur schwach gegabelt. Sein Gefieder wirkt oft sehr dunkel beinahe schwarz.

Wenn Sie Rot- oder Schwarzmilane sehen, melden Sie sie bitte per E-Mail an milane@ovh-online.de. Nennen Sie Ihren Namen und machen Sie möglichst genaue Angaben zu Standort, Datum und Uhrzeit. Die Daten werden an www.ornitho.de, einer Datenbank, die bundesweit Vogelbeobachtungen sammelt, weitergeleitet. Bruthinweise werden zum Schutz der Vögel dort „verdeckt“ aufgenommen. Alle Daten werden vertraulich behandelt.